Bohrinseln und Offshore-Plattformen
Auf der Suche nach Rohstoffen und bei der Erforschung der geologischen Struktur des Planeten Erde spielen die Ozeane und Meere, deren Wasserflächen knapp 71% der Oberfläche des Planeten bedecken, eine immer entscheidender Rolle. Insbesondere die langsam voranschreitende Verknappung von natürlichen Rohstoffen, allen voran Erdöl und Erdgas, zwingen dazu, die Exploration auf die Weltmeere auszudehnen. Aber auch im Bereich der Erforschung der Erdkruste sowie deren Tektonik ist die Erkundung des Meeresbodens von wachsender Bedeutung, da so beispielsweise auch die Vorhersage und Analyse von Erdbeben möglich wird.
![]() Port Reval Semi-submersible Rig |
![]() MSV Regalia Semi-submersible Rig |
Rund ein Drittel der Weltmeere weist eine durchschnittliche Tiefe zwischen 4.000 und 5.000 Metern auf. Für die Erkundung und Förderung von Rohstoffen sowie der wissenschaftlich motivierten Exploration des Meeresbodens ist im Vergleich zur landgestützten Aktivität ein gewaltiger technischer Aufwand erforderlich. Dies liegt einerseits daran, dass die klimatischen Bedingungen signifikant schlechter als an Land sind, aber auch an der mangelnden Infrastruktur auf hoher See. Mit der zunehmenden technologischen Entwicklung nach 1950 sowie der konstant auf moderatem Niveau wachsenden Weltwirtschaft wurde die Entwicklung von Plattformen für den Einsatz auf Hochsee respektive Offshore begünstigt. Die bekannteste Form von Offshore-Plattformen sind dabei die so genannten Bohrinseln bzw. Ölbohrinseln.
Die Bohrinseln bzw. Offshore-Plattformen können hinsichtlich ihrer Konstruktion und Funktionsweise, neben ihrem Zweck, in die folgenden Gruppen eingeteilt werden:
- Feste Plattform = Fixed Platform oder Submersible Rig
Eine auf dem Meeresboden feststehende Plattform. Die Plattform steht dabei auf einem oder mehreren massiven Sockeln aus Beton oder Stahl fest auf dem Meeresboden. Die maximale Tiefe beträgt rund 520 Meter. Dieser Typ Bohrinsel ist nicht transportabel und für den dauerhaften Verbleib am ersten Einsatzort bestimmt. - Turmplattform = Compliant Tower
Eine auf dem Meeresboden feststehende Plattform. Die Plattform ist nicht schwimmfähig und steht dabei auf einem oder mehreren Gerüstbeinen aus Stahl. Die maximale Tiefe beträgt rund 900 Meter. Dieser Typ Bohrinsel ist eingeschränkt transportabel, d.h. neben Lastschiffen und Schiffen zum Schleppen ist der Auf-/Abbau des Sockels erforderlich. - Hubbohrinsel = Jack-up Rig oder Self elevating Platform (SEP)
Die Plattform verfügt über drei oder vier vertikal bewegliche Gerüstbeine aus Stahl. Zur Arretierung der Plattform über dem Bohrloch werden die bis zu 150 Meter langen Gerüstbeine bis auf den Meeresboden abgesenkt. Die Plattformen sind teilweise selbst schwimmfähig. Dieser Typ Bohrinsel ist transportabel. - Halbtaucherbohrinsel = Semi-submersible Rig
Die Plattform ist als Ponton ausgeführt und ist somit schwimmfähig. Mittels unterhalb der Plattform angebrachter Ballasttanks kann die Höhe der Plattform über dem Meeresspiegel verändert werden, was in erster Linie der Stabilität bei rauen Witterungsverhältnissen dient. Die Fixierung der Plattform über dem Bohrloch erfolgt mittels Anker oder eines eigenen Antriebs. Die maximal erreichbare Wassertiefe beträgt zwischen 1.800 und 3.000 Metern. Die Bohrinsel ist, unabhängig von der Methode zur Positionierung, transportabel. - Nachgiebige Plattform = Tension Leg Platform (TLP)
Die Plattform selbst ist, wie auch die klassische Halbtaucherbohrinsel, als schwimmfähiger Ponton ausgeführt. Die Positionierung über dem Bohrloch erfolgt mittels zwischen dem Meeresboden und dem Ponton gespannter Stahlseile. Theoretisch ist eine Wassertiefe von bis zu 1.100 Meter überbrückbar. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung der klassischen Halbtaucherbohrinsel. Die Bohrinsel ist somit eingeschränkt transportabel. - Schwimmende Plattform = Spar Platform
Eine als schwimmfähiger Körper ausgelegte Plattform. Im Gegensatz zu Halbtaucherplattformen dient die gesamte, aus Beton oder Stahl gefertigte Unterkonstruktion als Ballast- oder Lagertank. Hinsichtlich des horizontalen und vertikalen Aufbaus des Schwimmkörpers gibt es in Abhängigkeit der Nutzung verschiedene Ausführungen. Zur Arretierung der Plattform dienen, ähnlich wie bei der Tension Leg Platform (TLP), gespannte Stahlseile sowie Anker. Die Wassertiefe kann bis zu 1.800 Metern betragen. Dieser Typ Bohrinsel ist eingeschränkt transportabel. - Bohrschiff = Drillship
Ein Schiff dient als Plattform. Das Antriebssystem des Schiffs dient zur Positionierung über dem Bohrloch. Typischerweise werden Bohrschiffe ab einer Wassertiefe von mehr als 3.000 Metern eingesetzt. Hinsichtlich der maximal möglichen Wassertiefe gibt es praktisch keine Einschränkung. Aufgrund der Nutzung eines konventionellen Schiffsrumpfes ist der Typ Bohrinsel uneingeschränkt transportabel.
Die nachfolgende Tabelle enthält eine Übersicht von Bohrinseln, Bohrschiffe und sonstigen Offshore-Bauwerken soweit diese hinsichtlich ihrer Dimensionen oder Geschichte bemerkenswert sind (die Objekte sind alphabetisch sortiert):
| Name | Typ | M | Position | Jahr | Höhe | Tiefe |
|---|---|---|---|---|---|---|
|
Höhe) = Höhe der gesamten Plattform bzw. des eigentlichen Bohrturms bei Bohrschiffen Jahr) = Jahr der Fertigstellung und ersten Inbetriebnahme M) = Ozean oder Meeresteil, in dem die Plattform genutzt wird/wurde Tiefe) = maximale Tiefe bis zum Meeresgrund CT = Compliant Tower DS = Drillship JU = Jack-up Rig FP = Fixed Platform SP = Spar Platform SSM = Semi-submersible Rig TLP = Tension Leg Platform A) = Atlantischer Ozean G) = Golf von Mexiko K) = Kaspisches Meer N) = Nordsee 1) = auch als Brent E bezeichnet 2) = auch als Troll A bezeichnet 3) = auch als Spirit of Columbus bezeichnet 4) = auch als GSF CR Luigs bezeichnet 5) = auch als GSF Explorer bezeichnet 6) = auch als Hughes Glomar Explorer oder USNS Glomar Explorer bzw. T-AG-193 bezeichnet 7) = JOIDES ist die Abkürzung für Joint Oceanographic Institutions Deep Earth Sampler 8) = etwa baugleich sind Cajun Express und Sedco Energy 9) = im Jahr 1983/1984 verschrottet 10) = im Jahr 1999 verschrottet 11) = am 15.02.1982 nach Monsterwelle vor den Grand Banks gesunken 12) = am 22.04.2010 nach Brand gesunken 13) = am 06.07.1988 nach Brand gesunken 14) = am 20.03.2001 nach Brand gesunken 15) = am 11.07.2005 nach Hurrikan Dennis fast gesunken (mehr als 20° Schlagseite) |
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| Baldpate Platform | CT | G | vor Louisiana | ? | 579 m | ? m |
| Brent Spar 1) 10) | SP | N | 190 km vor Schottland | 1976 | 147 m | Oberfläche |
| Bullwinkle Platform | CT | G | 257 km vor Louisiana | ? | 529 m | 412 m |
| Byford Dolphin | SSM | N | zwischen Norwegen und Schottland | 1974 | ? m | max. 450 m |
| Chikyu | DS | 2005 | 70 m | max. 4.000 m |
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| Deepwater Horizon 12) | SSM | G |
2001 | 97 m | max. 2.400 m | |
| Deepwater Millenium | DS | 1999 | ? m | max. 3.000 m | ||
| Discoverer Enterprise | DS | 1999 | 127 m | max. 3.000 m | ||
| Draugen Condeep | FP | N | ? | 1993 | ? m | 251 m |
| Eirik Raude | SSM | 2002 | 105 m | max. 3.000 m |
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| Glomar Challenger 9) | DS | 1968 | 43 m | max. 7.000 m |
||
| Glomar CR Luigs 4) | DS | 2000 | 55 m | max. 3.600 m | ||
| Glomar Explorer 6) | DS | 1973 | ? m | max. 5.200 m | ||
| Glomar Explorer 5) | DS | 1998 | 52 m |
max. 2.400 m | ||
| Gullfaks A | FP | N | vor Norwegen | 1986 | 270 m | 135 m |
| Gullfaks B | FP | N | vor Norwegen | 1987 | ? m | 142 m |
| Gullfaks C | FP | N | 174 km vor Norwegen | 1989 | 380 m | 217 m |
| Heidrun TLP | TLP | N | vor Norwegen | 1995 | ? m | 345 m |
| JOIDES Resolution 7) | DS | 1978 | 62 m |
max. 6.000 m | ||
| Leiv Eiriksson | SSM | 2001 | 105 m | max. 3.000 m |
||
| Maersk Giant | JU | 1986 | 49 m |
max. 110 m | ||
| Maersk Innovator | JU | 2002 | 64 m |
max. 150 m | ||
| Mittelplate A | FP | N | 7 km vor Schleswig-Holstein | 1985 | 70 m | 0 m |
| Neft Daşları | FP | K | 20 km vor Aserbaidschan | 1947 | ? m | ? m |
| Ocean Ranger 11) | SSM | Nordpazifik und Nordatlantik | 1976 | ? m | variabel | |
| Ocean Rover | SSM | Golf von Mexiko und Karibik | 1972 | ? m | max. 1.900 m | |
| P-36 3) 14) | SSM | A | 200 km vor Brasilien | 1995 | 119 m | variabel |
| Petronius Platform | CT | G | 210 km vor Louisiana | 2000 | 610 m | 535 m |
| Piper Alpha 13) | FP | N | 1.270 km vor Schottland | 1976 | 197 m | 144 m |
| Ranger V | JU | 1981 | 40 m | max. 30 m | ||
| Sea Troll 2) | FP | N | 100 km vor Norwegen | 1995 | 472 m | 303 m |
| Sedco 706 | SSM | A |
vor Brasilien |
1976 | ? m | max. 300 m |
| Sedco Express | SSM | A | vor Angola | 2001 | 127 m | max. 2.300 m |
| Statfjord A | FP | N | vor Norwegen | 1977 | 270 m | ~150 m |
| Statfjord B | FP | N | vor Norwegen | 1981 | 271 m | ~150 m |
| Statfjord C | FP | N | vor Norwegen | 1984 | 290 m | ~150 m |
| Thunder Horse 15) | SSM | G |
240 km vor Louisiana |
2004 | ? m | 1.920 m |
| Zapata Ugland | SSM | 1974 | ? m | variabel | ||
Die überwiegende Anzahl der Bohrinseln, Bohrschiffe und sonstigen Offshore-Plattformen dient der kommerziellen Exploration sowie der Förderung von Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas. Daneben erfüllen diese Bauwerke aber auch eine Reihe von wissenschaftlichen Aufgaben. Hierzu zählt beispielsweise die Erhebung von meteorologischen Daten auf den Ozeanen und Weltmeeren. Vorwiegend wissenschaftliche Aufgaben erfüllen Bohrschiffe. Das M/V JOIDES Resolution und das M/V Chikyu wurden bzw. werden für mehrjährig laufende und international angelegte Projekte wie Project Mohole, Deep Sea Drilling Program (DSDP), Ocean Drilling Project (ODP), Integrated Ocean Drilling Project (IODP) und Chikyu Hakken eingesetzt.
Ergänzende Informationen zum Thema Bohrinseln und Offshore-Plattformen einschließlich deren technischen Daten und Einsatzorte sind auf den nachfolgenden Websites verfügbar:
- Bohrinseln, Bohrschiffe und Offshore-Plattformen nach Typ
- Bohrinseln, Bohrschiffe und Offshore-Plattformen nach Einsatzort
- Übersicht aktueller und vergangener Offshore-Projekte
- Übersicht von Unglücksfällen auf Offshore-Plattformen
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