Mariner-Raumsonden
Nachdem die US-amerikanische National Aeronautics and Space Agency (NASA) mit dem Pioneer-Programm im Jahr 1958 damit begonnen hat, den Mond sowie die äußeren Planeten Jupiter und Saturn zu erkunden, startete man ab 1962 mit dem Mariner-Programm die Erkundung des Planeten Mars sowie der inneren Planeten Venus und Merkur. Im Zweitraum von 1962 bis 1973 wurden insgesamt 10 Raumsonden gestartet.
Die einzelnen Sonden des Programms gingen konstruktionstechnisch auf die Satelliten der Ranger-Serie zurück und wurden im Laufe des Programms sowohl strukturell als auch funktionell kontinuierlich modifiziert. In diesem Zusammenhang wurde auch die wissenschaftliche Nutzlast von knapp 20 Kilogramm bei Mariner 1 und 2 auf knapp 80 Kilogramm bei Mariner 10 ausgebaut. Bei Mariner 1 und 2 wurden fast unmodifizierte Ranger-Sonden genutzt. Ab der Mission Mariner 3 wurde dann ein neues Layout verwendet.
Traditionell wurden zur damaligen Zeit aus Sicherheitsgründen innerhalb eines Startfensters stets zwei baugleiche Sonden gestartet. Eine Ausnahme bildeten lediglich die Missionen Mariner 5 und Mariner 10. Da das Mariner-Programm zunächst aus einem losen Verbund verschiedener Konzepte bestand, gibt es zum Teil mehrere alternative Bezeichnungen der einzelnen Missionen.
Insgesamt betrachtet zählen die Mariner-Raumsonden zu einem der erfolgreichsten Projekte zur Erforschung des inneren Sonnensystems, da es im Vergleich zum Pioneer-Programm mit 9 Ausfällen bei 19 Missionen außerordentlich wenig Fehlstarts oder Totalausfälle der Sonden gab.
Das Programm der verschiedenen Mariner-Raumsonden gliederte sich in die folgenden Missionen:
- Mariner 1 wurde am 22. Juli 1962 mit einer Rakete vom Typ Atlas Agena B gestartet und sollte den Planeten Venus erforschen. Die Mission schlug bereits 5 Minuten nach dem Start fehl, da die Trägerrakete vom ursprünglichen Kurs abkam.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Mariner 2 (auch als Mariner-Venus 1962 bezeichnet) wurde am 25. August 1962 mit einer Trägerrakete vom gleichen Typ wie die für Mariner 1 gestartet. Die Sonde war baugleich mit Mariner 1. Obwohl es bereits Anfang September zu technischen Defekten im Antriebssystem kam und Mitte November 1962 eine der beiden Solarzellen ausfiel, passierte die Sonde am 14. Dezember 1962 planmäßig den Planeten Venus in knapp 35.000 Kilometern. Anfang Januar des folgenden Jahres folgte dann der vollständige Ausfall der Raumsonde. Wesentliche Erkenntnisse der Mission waren die Entdeckung des Sonnenwindes sowie die Bestimmung der Oberflächentemperatur der Venus und der Falsifikation von Wasserdampf in der Atmosphäre des Planeten.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Mariner 3 wurde am 5. November 1964 mittels einer Rakete von Typ Atlas Agena D gestartet und sollte, genau wie ihre Schwestersonde Mariner 4, den Planeten Mars erforschen. Aufgrund konstruktiver Probleme konnten die Solarzellen nicht ausgefahren werden, so dass sie in einer Umlaufbahn um die Erde verblieb.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Mariner 4 (auch als Mariner-Mars 1964 bezeichnet) wurde am 28. November 1964 ebenfalls mit einer Atlas Agena D-Trägerrakete gestartet, nachdem die bei der Vorgängermission aufgetauchten Mängel überarbeitet wurden. Die Raumsonde flog am 15. Juli 1965 in knapp 9.900 Kilometern planmäßig am Planeten Mars vorbei und machte einige Aufnahmen des Planeten, die gleichzeitig auch die ersten Bilder einer Raumsonde vom Planeten Mars waren. Daneben lieferte die Sonde Informationen über die Atmosphäre und das Magnetfeld des Planeten. Die Mission dauerte bis Ende Dezember 1967.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Mariner 5 (auch als Mariner Venus '67 bezeichnet) wurde am 14. Juni 1967 gestartet und flog am 19. Oktober 1967 in knapp 4.000 Kilometern Entfernung am Planeten Venus vorbei. Im Wesentlichen wurde die von Mariner 2 begonnene Analyse der Atmosphäre des Planeten fortgesetzt sowie Temperaturmessungen am Boden durchgeführt. Mittels eines Trägerwellen-Experiments konnte der Durchmesser der Venus erstmalig exakt bestimmt werden.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Mariner 6 (auch als Mariner Mars 69A bzw. Mariner F bezeichnet) wurde am 24. Februar 1969 mit einer Trägerrakete vom Typ Atlas-Centaur gestartet und flog bereits am 31. Juli 1969 in knapp 3.500 Kilometern am Planeten Mars vorbei. Es wurden vorwiegend visuelle Erkundungen durchgeführt, die die Ergebnisse von Mariner 4 weiter vervollständigt haben.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Mariner 7 (auch als Mariner Mars 69B bzw. Mariner G bezeichnet) wurde wiederum als Schwestersonde von Mariner 6 am 27. März 1969 gestartet. Sie erreichte den Planeten Mars am 2. August 1969 und fertige während des Vorbeifluges weitere Aufnahmen von der Oberfläche des Planeten an. Mittlerweile wurde die Nutzlast der Sonde von ursprünglich knapp 20 Kilogramm auf über 60 Kilogramm gesteigert. Parallel dazu wurde auch die Sendeleistung verbessert, was wiederum die Übertragung der Bilder vom Planeten Mars zur Erde zu Gute kam.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Mariner 8 (auch als Mariner-H bezeichnet) wurde am 8. Mai 1971 gestartet und endete mit einem Totalverlust aufgrund Probleme mit der genutzten Trägerrakete, einer Atlas-Centaur.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Mariner 9 (auch als Mariner Mars '71 bzw. Mariner-I bezeichnet) wurde am 30. Mai 1971 auf die Reise geschickt und sollte erstmalig in eine Umlaufbahn um den Planeten Mars einschwenken. Dieses Missionsziel wurde am 14. November 1971 erfolgreich realisiert. Ab Anfang des Jahres 1972 begann die Sonde dann mit der Kartografisierung der Marsoberfläche. Bis zum, auf einen technischen Defekt zurückzuführende Ende der Mission im Oktober 1972 machte die Raumsonde mehr als 7.300 Bilder vom Planeten Mars.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Mariner 10 (auch als Mariner Venus/Mercury '73 bzw. Mariner-J bezeichnet) wurde am 3. November 1973 mit einer Trägerrakete vom Typ Titan IIIC gestartet. Sie sollte erstmalig den Planeten Merkur passieren und gleichzeitig auch das so genannte Swing-by-Verfahren zur Kurskorrektur und Beschleunigung nutzen. Dabei passiert eine Raumsonde einen Planeten in kurzer Distanz und nutzt dessen Gravitation zur Anpassung ihres Kurses sowie zur Beschleunigung. Während des Swing-by-Manövers am Planeten Venus am 5. Februar 1974 machte die nunmehr mit knapp 80 Kilogramm wissenschaftlicher Ausrüstung versehene Raumsonde über 4.000 Aufnahmen von Planeten. Bereits im Januar 1974 beobachtete sie den Kometen 75P/Kohoutek. Am 29. März 1974 erreichte sich letztendlich das Ziel der Mission, den Planeten Merkur. Während drei Vorbeiflügen zwischen März 1974 und März 1975 in 330/50.000/710 Kilometern entstanden insgesamt 9.000 Bilder vom Planeten Merkur. Die Sonde befand sich dabei auf einer Umlaufbahn um die Sonne. Die Mission endete aufgrund erschöpfter Treibstoffvorräte Ende März 1975. Neben einer umfangreichen visuellen Dokumentation des Planeten wurde auch ein Magnetfeld entdeckt.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Mariner Jupiter/Saturn A und Mariner Jupiter/Saturn B wurden schon kurz nach dem Beginn der Mission und vor Start der Sonden in Voyager 1 und Voyager 2 umbenannt.
Weitere Informationen zur Mission der Sonden aus dem Mariner-Programm sowie Forschungsergebnisse und Hintergrundinformationen sind auf den folgenden Websites verfügbar:
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