Bookmark bei Delicious anlegen   Bookmark bei Mister Wong anlegen  

European Extremely Large Telescope (E-ELT)

Im Dezember 2006 beschloss das Konzil des European Southern Observatory (ESO) eine Studie für den Bau des European Extremely Large Telescope (E-ELT) anzufertigen. Bei dem Extremely Large Telescope handelt es sich um ein Teleskop mit einem 42 Meter großen Hauptspiegel. Vorrangig soll das Teleskop, dessen Fertigstellung im Jahr 2016 erwartet wird, für Beobachtungen im optischen und nahen infraroten Bereich ausgelegt sein. Die Leistung des neuen Teleskops wird voraussichtlich um den Faktor 100 besser als die bisheriger Großteleskope wie dem Very Large Telescope (VLT) sein. Die Bezeichnung European Extremely Large Telescope kann man in etwa mit "Europäisches extrem großes Teleskop" übersetzen.

Das European Extremely Large Telescope stellt einen technologischen Zwischenschritt zu dem ebenfalls geplanten Overwhelmingly Large Telescope (OWL) mit einem 100 Meter großen Hauptspiegel und dem Euro50 mit einem 50 Meter großen Hauptspiegel dar. Der Zwischenschritt ergab sich aus der Erkenntnis, dass ein Spiegelteleskop mit einem rund 100 Meter großen Hauptspiegel technologisch innerhalb der nächsten 10 Jahre nicht realisierbar erscheint. Das Extremely Large Telescope muss sich jedoch weder hinter geplanten Großteleskopen wie dem Overwhelmingly Large Telescope (OWL) und dem Large Synoptic Survey Telescope (LSST) noch den bisher existierenden Teleskopen verstecken: Es wird mit einem Spiegeldurchmesser von rund 42 Metern das größte Teleskop der Welt sein.

Nachfolgend eine Übersicht der existierenden oder geplanten optischen Großteleskope (die Teleskope sind nach ihrem äquivalenten Spiegeldurchmesser sortiert):

Name Spiegel Höhe Standort Land Jahr

Jahr) = Jahr der Fertigstellung und ersten Inbetriebnahme
*) = geplante Fertigstellung

1) = früher auch unter der Bezeichnung Columbus Project bekannt
2) = entspricht einem äquivalenten Spiegeldurchmesser von 11,80 m
3) = besteht aus den 4 Spiegeln VLT 1 (Antu), VLT 2 (Kueyen), VLT 3 (Melipal) und VLT 4 (Yepun)
4) = auch unter der Bezeichnung Great Telescope Canary Islands oder GranTeCan bekannt
5) = besteht aus den 2 Spiegeln Keck I und Keck II
6) = früher auch unter der Bezeichnung California Extremely Large Telescope (CELT) bekannt
7) = entspricht einem äquivalenten Spiegeldurchmesser von 21,40 m
8) = möglich sind die chilenischen Anden, La Palma oder die Antarktis
9) = auch unter der Bezeichnung Magnum Mirror Telescope bekannt
10) = besteht aus den 2 Spiegeln Magellan I (Walter Baade) und Magellan II (Landon Clay)
11) = Roque de los Muchachos
12) = chilenische Anden
William Herschel Telescope
(WHT)
1×4,20 m 2.400 m 11) Spanien 1987
Discovery Channel Telescope
(DCT)
1×4,20 m 2.365 m Nähe Happy Jack USA 2010*)
Hale-Telescope

1×5,08 m 1.713 m Mt. Palomar USA 1949
Large Zenith Telescope
(LZT)
1×6,00 m ? m Nähe Vancouver Kanada 2003
Big Telescope Alt-azimuthal
(BTA)
1×6,00 m 2.070 m Nähe Selentschuk Russland 1975
Multiple Mirror Telescope 9)
(MMT)
1×6,50 m 2.606 m Mt. Hopkins USA 2000
Magellan 10)

2×6,50 m 2.300 m Nähe La Serena Chile 2000
Gemini North

1×8,10 m 4.205 m Mauna Kea USA 1999
Gemini South

1×8,10 m 2.682 m Cerro Pachón Chile 2001
Subaru
(NLT)
1×8,20 m 4.139 m Mauna Kea USA 1998
Large Synoptic Survey Telescope
(LSST)
1×8,40 m 2.682 m Cerro Pachón Chile 2013*)
Large Binocular Telescope
(LBT) 1)
2×8,40 m2) 3.267 m Mt. Graham USA 2006
Very Large Telescope
(VLT) 3)
4×8,20 m 2.635 m Cerro Paranal Chile 1998
Gran Telescopio Canarias
(GTC) 4)
1×10,40 m 2.426 m 11) Spanien 2009
Hobby-Eberly Telescope
(HET)
1×11,10 m 1.980 m Mt. Fowlkes USA 1999
Southern African Large Telescope
(SALT)
1×11,10 m 1.760 m Karoo-Hochebene Südafrika 2005
Keck 5)

2×10,00 m 4.145 m Mauna Kea USA 1996
Giant Magellan Telescope
(GMT) 12)
7×8,40 m7)

Chile 2019*)
Thirty Meter Telescope
(TMT) 6)
1×30,00 m 4.145 m Mauna Kea USA 2018*)
European Extremely Large Telescope
(E-ELT)
1×42,00 m
8) 2016*)
Overwhelmingly Large Telescope
(OWL)
1×100,00 m
8) 2020*)

Damit markiert das European Extremely Large Telescope leistungsmäßig das obere Ende der bislang existierenden oder im Bau bzw. konkret Planung befindlichen astronomischen Großteleskopen weltweit.

Im Rahmen der ersten Projektstudie soll unter anderem auch ein Standort des Teleskops bestimmt werden. Neben der in den chilenischen Anden befindliche Atacama-Wüste, in denen mit dem Very Large Telescope (VLT) eines der größten Teleskope weltweit bereits aktiv im Dienst ist, stehen auch die Kanarischen Inseln, vorzugsweise La Palma, auf der Liste potentieller Kandidaten. Nicht vollkommen ausgenommen wäre aber auch ein Standort Nahe des Südpols bzw. in der Antarktis, zumal erste viel versprechende Tests im Rahmen des Projekts AASTINO vorliegen.

Bild 1: European Extremely Large Telescope (E-ELT)

European Extremely Large Telescope
Studie zur Konstruktion



Bild 2: European Extremely Large Telescope (E-ELT)

European Extremely Large Telescope
Studie zur Konstruktion


Bild 3: European Extremely Large Telescope (E-ELT) bei Tag

European Extremely Large Telescope
Studie zur Konstruktion bei Tag



Bild 4: European Extremely Large Telescope (E-ELT) bei Nacht

European Extremely Large Telescope
Studie zur Konstruktion bei Nacht


Nach dem aktuellen Konzept soll der Hauptspiegel aus insgesamt 906 hexagonalen Segmenten mit jeweils 1,45 Meter Durchmesser bestehen. Der Sekundärspiegel hat einen Durchmesser von 6 Metern. Ein rund 4,20 Meter großer Tertiärspiegel soll das einfallende Sternenlicht für die aktive adaptive Optik bereitstellen. Das System für die post-fokale adaptive Optik wiederum besteht aus weiteren zwei 2,50 und 2,70 Meter großen Spiegeln, wobei einer der Spiegel über eine Vielzahl aktiver Aktuatoren zum Ausgleich von atmosphärischen Anomalien und sowie zur Optimierung der optischen Auflösung des Teleskops verfügt. Unterstützt wird die aktive adaptive Optik durch ein System aus 5 bis 9 Laser Guide Stars, die die atmosphärischen Turbulenzen über dem anvisierten Himmelsausschnitt analysieren und ein aktives Feedback für die Steuerung der optischen Komponenten gibt. Ein auf diesem technologischem Prinzip basierende Lösung ist bereits heute beim Yepun-Spiegel des VLT praktisch im Einsatz. Insgesamt veranschlagt die ESO rund 800 Millionen Euro für den Bau des neuen Teleskops.

Mit dem Extremely Large Telescope (E-ELT) versprechen sich die Astronomen eine deutliche Verbesserung des Blicks in die Tiefen des Universums. Insbesondere die Suche nach extrem alten Galaxien aus der Frühphase der Entwicklung des Universums, aber auch die Suche nach jungen Sternen und extrasolaren Planeten steht dabei im Vordergrund.

Hinsichtlich der Verfügbarkeit der Angebote kann keine Garantie übernommen werden. Die hier verwendeten Aufnahmen stehen unter ESO Public License.