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Entstehung eines Sternsystems

In 1.400 Lichtjahren Entfernung hat das Hubble Space Telescope (HST) ein Trio neugeborener Stern mit der Bezeichnung HH 111 entdeckt. Dabei steht HH für Herbig-Haro-Objekt, einer Gruppe von kleinen diffusen Objekten, die typischerweise Gaswolken um junge Sterne repräsentieren. Namentlich geht die Bezeichnung auf die Astronomen George Howard Herbig und Guillermo Haro zurück, die den Charakter der Objekte ab 1940 detailliert untersuchten und entsprechend erkannten. Zwei dieser Sterne bewegen sich auf Bahnen sehr dicht umeinander, während der Dritte die beiden anderen in weiterem Abstand begleitet.

Die Sterne wurden durch die Kombination einer HST-Aufnahme mit der Near Infrared Camera and Multi-Object Spectrometer (NICMOS) und Erdgestützter Radar-Aufnahmen mit dem Very Large Array (VLA) in New Mexico/USA enthüllt. Das VLA ist das weltweit erste Radioteleskop, welches aus 27 einzelnen Antennen besteht (Luftaufnahme des VLA).


Bild 1: Stern Herbig-Haro HH 111

HH 111 im Infrarot-Bereich



Bild 2: Stern Herbig-Haro HH 111

Zeichnung von HH 111


Eine große Gas- und Staubwolke in Form eines Torus in der Nähe der Sterne ist die ursprüngliche Quelle. Es war sehr überraschend festzustellen, dass die Sterne dabei nicht genau in der Mitte des Torus sind. Das Doppelsternsystems ist unterhalb des Torus angesiedelt, während sich der Dritte Stern auf der anderen Seite, außerhalb des Torus befindet. Das Sternenpaar unter der Torus trifft mit dem Ausgangspunkt eines riesigen Gasjets, welcher von einem der beiden Sterne in das All geblasen wird, zusammen. Jeder der gegensätzlich gerichteten Jets ist rund 12 Lichtjahre lang.

Es ist kaum vorstellbar, dass kleine Sterne wie diese einen derartig starken Einfluss auf ihre Umgebung haben. Es scheint so, als ob im Rahmen von Gravitationsstreitereien unter der einzelnen Sternen vor mehreren tausend Jahren ein Mitglied herauskatapultiert wurde. Als Resultat verbanden sich die beiden verbliebenen Sterne zu einem festen Doppelsternsystem und flogen in die jeweils entgegengesetzte Richtung. Diese These basiert auf einer Computersimulation und muss durch zukünftige Beobachtungen dieses Systems bestätigt werden.

Die beiden Komponenten des Doppelsternsystems sind rund 8 Milliarden Kilometer voneinander entfernt, so dass sie vom HST alleine nicht aufzulösen sind. Erst durch die Auswertung von Radar-Aufnahmen des Very Large Array (VLA) in New Mexico/USA konnte das Sternenpaar getrennt werden. Diese Beobachtungen bieten einen wichtigen Anhaltspunkt für die Frage, wie sich die Masse eines Sterns festsetzt. In dem oberem Beispiel des Dreiersystems kann man davon ausgehen, dass die augenblickliche Masse der Objekte nicht weiter wachsen wird, da sie sich außerhalb des Torus aus Gas und Staub befinden.

Neue Sterne wachsen - und zur gleichen Zeit produzieren sie gigantische Jets - durch die Aufnahme großer Mengen an Gas und Staub. Seit die beiden Sterne des Doppelsternsystems diese Materiejets produzieren, müssen sie eine kleine Gasscheibe für die Speisung und Fortführung der Ausflussaktivität einbehalten. Diese Scheiben (auch als Disks bezeichnet) haben Material aus dem Torus herausgezogen und dienen den Sternen für die Speisung der Jets. Wenn diese Reservoirs erschöpft sind, werden die bemerkenswerten Jets langsam aufhören.

Weitere Informationen zu diesem Thema in englischer Sprache sind auf den Seiten des Hubble Space Telescope (HST) verfügbar. Das teilweise auf dieser Seite verwendete Bildmaterial wird im Rahmen der NASA-Lizenzvereinbarung für nicht-kommerzielle Nutzung genutzt.