Pioneer-Raumsonden
Am 2. März 1972 hat die National Aeronautics and Space Agency (NASA) mit einer Atlas-Centaur-Rakete die Raumsonde Pioneer 10 gestartet. Es sollte die erste Raumsonde sein, die jenseits des Asteroiden-Gürtels zwischen Mars und Jupiter zur Erforschung unseres Sonnensystems eingesetzt wurde.
Zwischen dem 3. Dezember 1973 und dem 31. März 1997 untersuchte die Sonde Pioneer 10 den Planeten Jupiter und die äußeren Regionen unseres Sonnensystems. Zu den wichtigsten wissenschaftlichen Aufgaben der Sonde während ihres Vorbeifluges am Jupiter zählten die Erforschung des Ringsystems und des planetaren Magnetfeldes.
Während Pioneer am 3. Dezember 1973 mit einer Geschwindigkeit von 130.354 Kilometer pro Stunde am Jupiter vorbei flog, wurden die ersten Bilder des Jupiters von einer Raumsonde gemacht. Die wohl wichtigste Entdeckung der Sonde war die Tatsache, dass der Jupiter ein flüssiger Planet, also ohne eine feste Oberflächenkruste, ist. Nachdem die Sonde die Erforschung des Jupiters abgeschlossen hatte, bewegte sie sich weiter durch die äußeren Regionen unseres Sonnensystems und studierte die energetischen Partikel des Sonnenwindes sowie die kosmische Strahlung, welche aus der Milchstraße in unser Planetensystem eintritt.
![]() Modell von Pioneer 10 |
![]() Plakette an Pioneer 10 und Pioneer 11 |
Mit dem formellen Ende der Mission am 30. März 1997 hat sich die Raumsonde Pioneer 10 mehr als 10,10 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Ein Radiosignal von der Sonde zur Erde (welches sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt) benötigt nunmehr 9 Stunden und 43 Minuten.
Die Mission von Pioneer 10 war eine der ersten erfolgreichen Observationen unseres Sonnensystems. Die Funktion der Sonde ist auch heute, 27 Jahre später, noch fast vollständig gewährleistet. Am 27. April 2006 ist die Sonde Pioneer 10 über 13,66 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt und ist mit rund 43.776 Kilometern pro Stunde auf dem Weg zum Stern Aldebaran im Sternbild Stier. Dieser Stern ist zirka 68 Lichtjahre von der Erde entfernt und Pioneer wird voraussichtlich 2 Mio. Jahre für diese Distanz benötigen.
Im Laufe der vergangenen Jahre ist die Frage, warum die Raumsonden Pioneer 10 und Pioneer 11 mit zunehmender Entfernung von der Sonne kontinuierlich langsamer werden, zu einem aktuellen Forschungsthema geworden. Obwohl fast alle in Frage kommenden Ursachen und bekannten Phänomene analysiert wurden, konnte nicht geklärt werden, warum beide Sonden, die jeweils in der entgegengesetzten Richtung das Sonnensystem verlassen haben, dem gleichen Bremseffekt ausgesetzt sind. Ein ähnliches Phänomen kann auch bei den Voyager-Raumsonden beobachtet werden.
Neben den sehr erfolgreichen Sonden Pioneer 10/11 gab es insgesamt 19 Sonden, die im Rahmen des Pioneer-Programms gestartet wurden:
- Pioneer 0 (auch als Pioneer bzw. Able 1 oder Thor-Able 1 bezeichnet) wurde am 17. August 1958 gestartet und sollte die erste Raumsonde sein, die den Mond erreicht. Die Sonde wurde schon während des Starts bei der Explosion der Trägerrakete zerstört.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer 1 (auch als Able 2 bezeichnet) wurde am 11. Oktober 1958 gestartet. Die Sonde erreichte auf ihrem Weg zum Mond lediglich eine Umlaufbahn um die Erde und verglühte am 12. Oktober 1958. Die Sonde entfernte sich dabei maximal 113.800 Kilometer von der Erde.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer 2 (auch als Able 3 bezeichnet) wurde am 8. November 1958 gestartet und sollte den Mond erreichen. Die Sonde erreichte eine maximale Höhe von 1.550 Kilometern. Da sie jedoch nicht in eine stabile Erdumlaufbahn eintrat, verglühte sie wenig später in der Erdatmosphäre.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer 3 wurde am 6. Dezember 1958 gestartet. Die Sonde sollte am Mond vorbeifliegen. Sie erreichte, ähnlich Pioneer 1, lediglich eine nahe Erdumlaufbahn und verglühte wenige Zeit später in der Erdatmosphäre.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer 4 wurde am 3. März 1959 gestartet. Die Sonde flog wenig später in einer Entfernung von 59.500 Kilometern am Mond vorbei - geplant war ein Vorbeiflug in 32.000 Kilometern Entfernung - und schwenkte in eine Orbit um die Sonne ein.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer P-1 wurde am 24. September 1959 gestartet. Die Sonde wurde schon während des Starts bei der Explosion der Trägerrakete zerstört.
- Pioneer 5 (auch als 1960 Alpha 1 bezeichnet) wurde am 11. März 1960 gestartet. Die Sonde war für die Erkundung des interplanetaren Raums zwischen der Erde und der Venus bestimmt und sollte in diesem Zusammenhang auch am Planeten Venus vorbeifliegen. Nach dem Start der Sonde wurde jedoch nur noch eine Umlaufbahn um die Sonne angestrebt.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer-Y (auch als Pioneer P-30 bzw. Atlas Able 5A bezeichnet) wurde am 25. September 1960 gestartet. Die Sonde sollte eine Umlaufbahn um den Mond erreichen, wurde jedoch schon während des Starts bei der Explosion der Trägerrakete zerstört.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer-X (auch als Pioneer P-3 bzw. Atlas Able 4 bezeichnet) wurde am 26. November 1960 gestartet und sollte, genau wie Pioneer C, in eine Mondumlaufbahn eintreten. Die Sonde wurde jedoch schon während des Starts bei der Explosion der Trägerrakete zerstört.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer-Z (auch als Pioneer P-31 bzw. Atlas Able 5B bezeichnet) wurde am 15. September 1960 gestartet. Das Ziel der Mission bestand aus dem Erreichen einer Umlaufbahn um den Mond. Die Sonde wurde schon während des Starts bei der Explosion der Trägerrakete zerstört.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer 6 (auch als Pioneer-A bezeichnet ) wurde am 16. Dezember 1965 gestartet. Die Sonde sollte eine Umlaufbahn um die Sonne zwischen den Planeten Erde und Venus erreichen. Am 15. Dezember 1995 - 30 Jahre später - fiel der primäre Transmitter für die Kommunikation aus. Am 11. Juli 1996 gelang es dem Missionsteam auf der Erde, die Sonde zum Umschalten auf den Ersatz-Transmitter zu bewegen. Bis zum letzten planmäßigen Kontakt am 6. Oktober 1997 war ein großer Teil der wissenschaftlichen Instrumente in Funktion.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer 7 (auch als Pioneer-B bezeichnet) wurde am 17. August 1966 gestartet. Das primäre Ziel der Mission bestand aus dem Erreichen einer Umlaufbahn um die Sonne. Der letzte planmäßigen Kontakt zur Sonde erfolgte am 31. März 1995. Bis zu diesem Zeitpunkt arbeiteten die meisten wissenschaftlichen Geräte an Bord der Sonde.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer 8 (auch als Pioneer-C bezeichnet) wurde am 13. Dezember 1967 gestartet. Die Sonde sollte eine Umlaufbahn um die Sonne erreichen, die auch die Bahn der Erde streifen sollte. Bereits einige Jahre später fiel der primäre Transmitter für die Kommunikation zwischen der Sonde und der Erde aus. Am 22. August 1996 gelang es jedoch, auf das Backup-System für die Kommunikation umzuschalten. Die Sonde selbst und ein wissenschaftliches Instrument sind in Funktion.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer 9 (auch als Pioneer-D bezeichnet) wurde am 8. November 1968 gestartet. Die Sonde sollte eine Umlaufbahn um die Sonne erreichen und den interplanetaren Raum zwischen den Planeten Erde und Venus erforschen. Im Jahr 1983 brach jeglicher Kontakt zur Sonde ab.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer-E wurde am 27. August 1969 gestartet. Die Sonde sollte eine Umlaufbahn um die Sonne erreichen, wurde jedoch schon während des Starts bei der Explosion der Trägerrakete zerstört.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer 10 (auch als Pioneer F bezeichnet) gilt, gemeinsam mit Pioneer 11, zu den erfolgreichsten Sonden des Pioneer-Programms. Sie wurde am 2. März 1972 gestartet und für die Erforschung des äußeren Sonnensystems konzipiert und passierte den Planeten Jupiter im Dezember 1973.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer 11 (auch als Pioneer-G bezeichnet) wurde am 5. April 1973 gestartet und untersuchte den Großen Roten Fleck auf dem Jupiter sowie den Jupitermond Callisto. Des weitern wurde der Saturn, sein umfangreiches Ringsystem und der Mond Titan erforscht. Die Mission wurde am 30. September 1995 infolge des Zusammenbruchs der Stromversorgung auf der Sonde beendet.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer Venus Orbiter (auch als Pioneer 12 bzw. Pioneer-Venus 1 oder Pioneer Venus 1978 Orbiter bezeichnet) wurde am 20. Mai 1978 gestartet. Die Sonde erreichte am 4. Dezember 1978 eine Umlaufbahn um die Venus und befand sich dann insgesamt 14 Jahre im Orbit um den Planeten bis sie schließlich 8. Oktober 1992 in der Atmosphäre des Planeten verglühte.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog - Pioneer Venus Large Probe (auch als Pioneer-Venus 2 oder Pioneer Venus 1978 bezeichnet) wurde am 8. August 1978 gestartet. Die Sonde selbst, eine große und drei kleinere Lander sind zur Erforschung des Planeten am 9. Dezember 1978 in die Venus-Atmosphäre eingetreten.
Datenblatt der Sonde im National Space Science Data Center (NSSDC) Master Catalog
Obwohl die Erfolgsquote des Pioneer-Programms aufgrund der 9 Satelliten, die bereits während oder kurz nach dem Start verloren gingen, recht gering war, trug das Programm insgesamt erheblich zur Entwicklung der unbemannten Raumfahrt sowie der Erforschung des Sonnensystems bei. Es bleibt jedoch zu erwähnen, dass im Rahmen des Pioneer-Projekts eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher Raumsonden zum Einsatz kamen. Weitere Informationen zur Mission der einzelnen Sonden aus dem Pioneer-Programm sowie Forschungsergebnisse sind auf den folgenden Websites verfügbar:
- Übersicht der wichtigsten Pioneer-Missionen
- Status der wichtigsten Pioneer-Missionen
- Beschreibung der Missionen von Pioneer 10/11
- Informationen zum Start der Pioneer-Missionen
- Pioneer 10 verabschiedet sich langsam aber sicher
- Neue Theorie zur Erklärung der Veränderung der Flugbahn der Pioneer-Sonden
- Internationales Wissenschaftsteam ist der Pionier-Anomalie auf der Spur
- Bilder der Missionen von Pioneer 10/11
- Pioneer-Bilder des Jupitermondes Callisto
- Pioneer-Bilder des Jupitermondes Europa
- Pioneer-Bilder des Jupitermondes Ganymed
- Pioneer-Bilder des Jupitermondes Io
- Pioneer-Bilder vom Planet Saturn
Hinsichtlich der Verfügbarkeit der Angebote kann keine Garantie übernommen werden. Die hier verwendeten Aufnahmen stehen unter NASA Public License.



